06.09.2021    Ansicht im Browser

   

Coronavirus (Covid-19) 

   
 



Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wir möchten Ihnen gerne ein Update geben über die aktuelle COVID-Situation am KSW und unsere Bemühungen, trotzdem allen Patient*innen gerecht zu werden.

Wie Sie bereits den Mitteilungen von BAG, GD und Medien entnehmen konnten, hat sich die COVID-Belastung im KSW und in allen anderen Zürcher Spitälern seit Mitte Juli rasch und massiv verschlechtert. Wir behandeln aktuell 7 Patient*innen auf der Intensivstation und 18 auf den Normalstationen. Im Notfallzentrum mussten wir eine Vortriage für COVID-Patient*innen einrichten. Dies damit infizierte Personen rasch und mit möglichst wenig logistischem Aufwand behandeln werden können, falls sie keine schwerwiegenden Symptome und keine relevanten Risikofaktoren aufweisen.
Wir befinden uns zwar noch am Anfang der 4. Welle in der Schweiz, jedoch hat die starke Belastung im KSW in verschiedenen Bereichen wie im Notfallzentrum, internistische Bettenstation und insbesondere Intensivstationen Anpassungen erfordert. Unsere personellen Ressourcen sind durch COVID-19 bereits derart strapaziert, dass es jederzeit zu kurzfristigen Verschiebungen nicht dringlicher Eingriffe kommen kann.

Diese ungünstige Situation ist zwei Faktoren geschuldet:

  1. Die Virusvariante Delta ist so leicht übertragbar wie Windpocken (Varizellen) und mindestens doppelt so ansteckend wie das ursprüngliche SARS-CoV-2 vom letzten Herbst. Dies bedeutet, dass Delta trotz 50% Durchimpfung der Bevölkerung - und wir sind erst knapp darüber - noch immer die gleiche epidemiologische 'Kraft' besitzt wie das Virus vom letzten Herbst. Zum anderen verursacht Delta schwerere Erkrankungen auch bei jüngeren Menschen. Das Risiko für eine Hospitalisierung verdoppelt sich mit der Delta-Variante und das Risiko für eine intensivmedizinische Behandlung verdreifacht sich. Im Moment müssen 30-40% der hospitalisierten Patient*innen auf der Intensivstation behandelt werden.
  2. Die Immunität in der erwachsenen Bevölkerung ist noch viel zu niedrig. Ausser bei den >75-Jährigen hat es in jeder Altersgruppe noch mehr ungeschützte Personen, als sich im bisherigen Pandemieverlauf mit SARS-CoV-2 angesteckt haben. Diese Personen werden sich bis im nächsten Frühling mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit infizieren. - Davon werden ca. 2% eine Spitalbehandlung benötigen. 90% der aktuell Hospitalisierten sind nicht geimpft. Die Impfung ist ausserordentlich wirksam und verhindert eine schwere Erkrankung und eine Hospitalisation zuverlässig. Nur mit einer sehr hohen Durchimpfung können wir einen Grossteil der Belastung der Spitäler in den bevorstehenden Monaten vermeiden.

Um in den kommenden Wochen und Monaten trotzdem allen Patient*innen unabhängig von COVID-19 eine angemessene Versorgung zu gewährleisten, möchten wir die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit Ihnen noch etwas gezielter auf die Herausforderungen der kommenden Monate ausrichten. Wir wenden uns deshalb mit folgenden Anliegen an Sie:

  1. Behandeln und beraten Sie alle COVID-Patient*innen selber in Ihrer Praxis, solange keine Alarmhinweise bestehen, dass eine stationäre Therapie notwendig sein könnte. Da Sie Ihre Patient*innen bestens kennen, können Sie den Schweregrad der Erkrankung schneller und besser einschätzen als wir im Notfallzentrum. Auch bei Infektionen mit der Delta-Variante sind es die wichtigsten 'Red Flags' (Anstrengungs)Dyspnoe, erhöhte Atemfrequenz und Abfall der O2-Sättigung.
  2. Klären Sie bei allen neu infizierten Patient*innen mit Risikofaktoren bei einem allfälligen schweren Verlauf frühzeitig ab, ob sie die Kriterien für eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern erfüllen (Link Antikörper-Therapien ). Für maximale Wirksamkeit muss die Behandlung innert 5 Tagen ab Symptombeginn gestartet werden. Dexamethason sollte bei ambulanten Patienten ohne Sauerstoffbedarf nicht eingesetzt werden. 
  3. Nutzen Sie jede Gelegenheit, allen Ihren Patient*innen den Impfschutz ans Herz zu legen. Informieren Sie Ihren Patientenstamm auch schriftlich über die Impfung. Die vertrauenswürdigsten Informationsquellen bei Impfentscheiden sind Sie als Hausarzt*ärztin. Grossbritannien hat bei >50-Jährigen eine Durchimpfung von >95% erreicht, indem jede*r Patient*in von seinem*r Hausarzt*ärztin persönlich kontaktiert und zur Impfung aufgefordert wurde. Pro 50 - 100 vollständig geimpfte Erwachsene vermeiden Sie damit eine Hospitalisation.
  4. Bitte weisen Sie uns alle Patient*innen weiterhin über die üblichen Kanäle gemäss der von Ihnen eingeschätzten Dringlichkeit zu. Wir setzen alles daran, unsere ambulanten Spezialsprechstunden und stationären Behandlungsmöglichkeiten vollumfänglich anzubieten. Es ist durchaus möglich, dass es in gewissen Bereichen je nach Dringlichkeit zu verlängerten Wartezeiten zwischen Anmeldung und Termin kommt, die Aufgebote werden jedoch weiterhin zeitnah verschickt.

 Mit bestem Dank und kollegialen Grüssen

PD Dr. med. Urs Karrer
Prof. Dr. med. Stefan Breitenstein
 
Prof. Dr. med. Cornel Sieber